Schaukelpferde & Schaukeltiere

Kinder lieben es zu schaukeln oder geschaukelt zu werden, sei es zuerst passiv in einer Wiege oder in einer Hängematte oder auf einer Schwingschaukel im Garten. Wenn sie dann auf eigenen Füßen laufen und sich abstoßen können, werden sie zu aktiven Schauklern auf einer Gartenschaukel oder eben auf einem eigenen Schaukelpferd.

* am 31.10.2017 um 18:20 Uhr aktualisiert

* am 12.11.2017 um 17:53 Uhr aktualisiert

* am 12.11.2017 um 17:48 Uhr aktualisiert

* am 14.11.2017 um 22:02 Uhr aktualisiert

* am 17.11.2017 um 12:24 Uhr aktualisiert

* am 17.11.2017 um 19:42 Uhr aktualisiert

Seit anderthalb Jahrhunderten gehört das Schaukelpferd zu den Evergreens im Kinderzimmer. Auch wenn es heute, im modernisierten Gewand, nicht immer im klassischen Look als Pferd daherkommt, sondern in vielerlei Tiergestalt in Erscheinung tritt, hat dies seiner Beliebtheit keinen Abbruch getan. Schaukelpferde und andere Schaukeltiere üben eine nie versiegende Faszination auf Kinder, aber auch noch auf Erwachsene aus. Viele hatten oder haben eines im eigenen Haushalt oder kaufen dann, wenn sie selber als Kind keines hatten, zumindest eines für den eigenen Nachwuchs und erfüllen sich damit nachträglich einen unerfüllten Kindertraum.

Schaukelpferd

Wie alles begann

Man geht davon aus, dass die Idee des Schaukelpferds („rocking horse“) irgendwann im 17. Jahrhundert in den USA entstanden ist. Seine Vorläufer dürften hölzerne Pferde auf Rädern gewesen sein, die man hinter sich herzog und auf denen die Kleinen aufsitzen konnten. Solche Pferde auf Rädern waren sogar schon im antiken Griechenland gebräuchlich. Über die Zwischenstation England ist das Schaukelpferd dann wahrscheinlich im 19. Jahrhundert nach Mitteleuropa gekommen.

Hier entwickelte sich, insbesondere in den waldreichen Gegenden Deutschlands wie in Thüringen, im Harz, im Erzgebirge und im Odenwald, bald eine regelrechte kleine Schaukelpferde-Heimindustrie. Einige dieser traditionsreichen Betriebe existieren noch heute. Schaukelpferde aus der Anfangszeit sind unter Sammlern heiß begehrt und erzielen auf Spielzeug-Auktionen horrende Preise.

In seiner Ursprungsform war das Schaukelpferd ein relativ einfach gezimmertes, entweder mehr naturalistisch gehaltenes oder auch stilisiertes hölzernes Pferdchen auf Kufen, das Kindern als Spielzeug zum Schaukeln diente. Es musste auf jeden Fall so gross sein, dass ein Kleinkind gut darauf Platz nehmen und damit schaukeln konnte.

Neben ganz einfachen Modellen ganz aus Holz gab es auch solche für die Kinder reicher Familien, die wirklichen Pferden ziemlich ähnlich sahen, vor allem, wenn sie mit echtem Fell überzogen waren.

Vom klassischen Pferd hin zu Esel, Elefant & Co.

Heute sind „Schaukelpferde“ schon lange nicht mehr zwangsläufig nur Pferde, sondern beispielsweise Esel, Kühe, Elche, Schnecken, Giraffen, Elefanten oder sogar Dinosaurier. Es gibt sie aus den unterschiedlichsten Materialien: Holz, Kunststoff, aus nacktem Material oder mit Plüsch überzogen, bunt angemalt oder gefärbt, als Federwipptiere auf dem Spielplatz, als elektromechanische Wipptiere, die über Münzen mittels Elektromotor betrieben werden und natürlich in all ihren modernen Abwandlungen als Schaukeltiere auf Kufen im Indoorbereich.

Erlebnis Schaukelpferd

Schaukeln mit dem SchaukelpferdKleine Kinder haben einen starken Bewegungsdrang. Krabbelnd oder laufend erkunden sie die Welt. Die Freude an gleitend- wippenden, gleichförmigen Bewegungen ist dem Menschen vermutlich angeboren. Langsam schaukelnde Bewegungen wirken sich ungemein beruhigend auf das menschliche Nervensystem aus, was schon an ganz kleinen Babys zu beobachten ist, die mit Wippen auf dem Arm oder in der Wiege rasch beruhigt und in den Schlaf gewiegt werden können. Auch Erwachsenen ist dieses Empfinden nicht verloren gegangen. Man denke nur an die Hollywood-Schaukel oder den klassischen Schaukelstuhl, der für viele Menschen fortgeschrittenen Alters ein beliebtes Gerät zur Beruhigung und Entspannung darstellt.

Aber es kommt noch ein anderer physiologischer Effekt hinzu:
Wie seit langem bekannt, hat das Schaukeln eine positive Auswirkung auf unser Vestibularsystem im Innenohr. Die darin befindlichen Rezeptoren werden angeregt. Ein Kind auf einem Schaukeltier muss selbst aktiv werden und lernt dabei spielerisch, seinen Gleichgewichtssinn und gleichzeitig seine Motorik zu trainieren. Ein Schaukeltier macht nicht nur Spaß, sondern ist auch ein sehr sinnvolles Spielzeug. Vor seiner Anschaffung sollten jedoch wichtige Punkte bedacht werden.

Ab welchem Alter sind Schaukelpferde geeignet?

Als erstes stellt sich die Frage, ab welchem Alter sich ein Schaukelpferd als Spielzeug eignet. Zwar lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten, da jedes Kind sich hinsichtlich seiner Motorik anders und in anderer Geschwindigkeit entwickelt. Hersteller empfehlen ein Schaukeltier für ganz kleine Kinder etwa ab dem Alter von 9-10 Monaten. Man kann aber auch eigene erste Versuche schon starten, sobald das Baby alleine zu sitzen vermag. Generell kann man beobachten, dass Babys ab einem Alter von ungefähr einem Jahr deutlich Spaß am Reiten auf einem Schaukelpferd zeigen.

Modelle für die Allerkleinsten

Modelle für das jüngste Schaukelpferd-Alter fallen eine Nummer kleiner aus und verfügen über eine Sitzschale, die zum Rücken und zu den Seiten hin geschlossen ist. Sie müssen mit Lehne und Sicherheitsbügel versehen sein. Empfehlenswert ist zusätzlich ein Sicherheitsgurt. Viele Ausführungen haben außerdem einen Stopper an den Kufen, damit das Schaukeltier bei zu viel Schwung abgebremst wird. Für die Hände sind kleine Haltegriffe vorhanden. Wählt man ein Modell mit abnehmbarem Sicherheitsbügel, so verlängert sich die Nutzungsdauer weit übers Babyalter hinaus.

Modelle für größere Kinder

Schaukelpferde für größere Kinder sind meist naturgetreuer gefertigt. Sie stehen in der Regel auf vier Beinen, die auf stabilen Kufen angebracht sind. Oft verfügen sie über einen Sattel und Zaumzeug wie ein richtiges Pferd. Es gibt sie auch mit herunterklapbbaren Rollen, so dass man aus dem Schaukelpferd ein Rollpferd zum Nachziehen machen kann.

Es gibt Schaukeltiere in verschiedenen Materialien

Holz

Die einfachsten, stabilsten und langlebigsten Schaukelpferde sind meistens die klassischen Modelle aus Holz. Wenn man ein Holzschaukelpferd gut behandelt und ein bisschen pflegt, kann man es über viele Jahre hinweg benutzen. Stabil gefertigte Ausführungen wurden früher oft noch an die nächste Generation weiter vererbt. In puncto Pflegeleichtigkeit und Hygiene haben Holztiere nur Vorteile. Einmal mit einem feuchten Tuch abgewischt sind sie schnell wieder sauber.

Kunststoff

Schaukeltiere aus Kunststoff bestehen entweder aus Hartplastik oder aus weichem Kunststoff. Hartplastik ist stabiler, darf aber keine scharfen Kanten aufweisen. Da man es in viele verschiedene Formen pressen kann, lässt es sich mit mehr Details und Farben versehen. Umgekehrt fallen Schaukeltiere aus Weichkunststoff meistens in puncto Form und Design einfacher aus. Ein unübertrefflicher Vorteil von Kunststoff ist sein leichtes Gewicht. Auch was die Sauberhaltung anbetrifft, hat Kunststoff zweifellos Vorteile.

Plüsch

Neben dem Klassiker Holz-Schaukelpferd hat sich vor allem das Plüsch-Schaukelpferd auf dem Spielzeugmarkt etablieren können. Die naturgetreuere Optik und Haptik der Plüschtiere regt zweifellos die Fantasie und Sinne der Kinder besonders an. Sie lieben es, ihre Hände in das weiche, flauschige Plüschfell zu graben so, wie sie es bei einem Kuscheltier tun. Auch bietet ein Plüsch-Schaukeltier ein besonders angenehmes und behagliches Sitzgefühl. Die Verletzungsgefahr ist hier geringer als bei Modellen aus Holz, an denen sich die Kleinen eher einmal stoßen können. Für Mädchen ist es besonders reizvoll, ihr Plüschpferd zu striegeln oder ihm die Mähne zu kämmen und einzuflechten und dabei von einem Ponyhof zu träumen.

Plüsch-Schaukelpferde gibt es heute in allen erdenklichen Fellfarben: als Schimmel, Rappen, Füchse, Braune, ja sogar als Tiger- und Plattenschecken. Die klassische Pferdeform wird ergänzt durch eine reichhaltige Fauna an mehr oder weniger naturgetreuen Arten bis hin zu Fabeltieren. Im modernen Zoo der Schaukeltiere reihen sich einheimische Wildtiere wie Bienen, Raupen, Schnecken, Mäuse und Igel neben Haustiere wie Kühe, Schafe und Esel. Exoten wie Pinguine, Löwen, Elefanten, Tiger und Pandabären treffen auf prähistorische Dinosaurier ebenso wie auf Fabeltiere (Drachen, Tigerenten). Die Fantasie kennt in der Spielzeugwelt keine Grenzen.

Schaukelpferde mit Sound

Einige Schaukelpferd-Modelle aus Plüsch verfügen über eingebaute Sound-Chips. Drückt man auf einen Knopf in ihrem Ohr, ertönt ein Wiehern oder man hört die Geräusche eines galoppierenden Pferdes. Andere Modelle können das Maul auf- und zumachen oder den Schweif anheben Für diese Zusatzeffekte werden allerdings Batterien benötigt.

Verarbeitung, Sicherheit und Sorgfaltsflicht

Für welches Material man sich entscheidet, ist letztlich Geschmackssache. Wichtiger als das Material ist die Sorgfalt der Verarbeitung, insbesondere bei Plüschpferden.

Spielzeug Schaukel PferdEs versteht sich schon fast von selbst, dass die Kufen eines Schaukeltiers stabil sein müssen, um das Gewicht des Tieres plus das des kleinen Reiters zu tragen. Stark beanspruchte Teile wie Sitzfläche und Haltegriffe müssen ebenfalls besonders belastbar sein. Hierbei ist die altersgerechte Auswahl zu bedenken, wobei man die Empfehlungen des Herstellers unbedingt beachten sollte.

Aufwändig gestaltete und geschmückte Pferdchen sind zwar schmuck und lassen insbesondere Mädchenherzen höher schlagen. Doch je mehr Details verarbeitet sind, desto mehr kleine Teile gibt es auch, die sich ablösen und verschluckt werden können. Zumindest für die ganz Kleinen unter den Schaukelpferd-Reitern ist diese Art von Schaukeltieren daher nicht gut geeignet.

Zudem empfiehlt es sich, darauf zu achten, ob das erwählte Schaukeltier über ein GS-Zeichen und eine CE-Kennzeichnung verfügt. Das GS-Zeichen gibt Auskunft darüber, dass das betreffende Produkt auf Sicherheit getestet wurde. Die CE-Kennzeichnung bedeutet, dass verschiedene Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen gemäß EG-Richtlinien eingehalten wurden.

Aber auch qualitativ hochwertige und allen Sicherheitsvorschriften genügende Kennzeichnungen sind noch keine hundertprozentige Gewähr dafür, dass mit einem Schaukeltier kein unerwünschter Unfall passieren kann. Sie entbindet nicht von der Sorgfaltspflicht, das Kind beim Schaukeln immer im Auge zu behalten, um im Falle des Falles blitzschnell eingreifen zu können.

Zusammenfassung

In einer Welt, in der kleine Kinder zwischen Playtstation und iPhone aufwachsen, präsentiert das Schaukelpferd mit allen seinen Varianten aus dem großen Zirkus der Schaukeltiere ein Stück altehrwürdige Spielzeugtradition, das sich über mehr als hundertfünfzig Jahre gehalten und bewährt hat und bei heutigen Kindern noch immer die gleiche Begeisterung zu erwecken vermag wie schon bei unseren Großeltern. Im Gegensatz zu manchem Elektronik-Firlefanz ist es ein pädagogisch wertvolles Spielzeug, das die Entwicklung des Gleichgewichtssinnes und der Motorik bei den Kleinsten anregt und, darüber hinaus, die Fantasie der Kinder beflügelt. Achtet man auf gute Qualität, so wird man garantiert viele Jahre Freude daran haben.

Schaukelpferde & Schaukeltiere 5.00/5 (100.00%) 1 vote